Der Trailer von “Kapitalismus – Eine Liebesgeschichte” ist nicht mehr einbettbar. An statt dessen gibt es dies:

Link: Kapitalismus - Eine Liebesgeschichte

gute Idee ;-)

Lösungsansatz:

Der Sozialismus ist gar nicht so übel von Rainer Hank aus dem Wirtschaftsteil der FAZ (!).

Auto – von Arbeit bis Image

Autostatd vs. Stadt ohne Autos

In dem Artikel “Abgesang aufs Auto” fasst Birgit Gärtner auf telepolis die Veranstaltung “Auswirkung einer Einführung von Elektrofahrzeugen auf die Klimagasemissionen und die Konsequenzen für die Autoindustrie” zusammen. Es werden treffende Frage zum Thema Auto, Umwelt und Arbeit gestellt und “Lösungsansätze” angerissen. Hier ein paar wenige Fragmente:

Fazit der Veranstaltung: Der Privat-PKW ist passé, die ökonomische Krise kann nur durch gesellschaftlich notwendige und umweltfreundliche Produktion gelöst werden.

“Wir brauchen gesellschaftlich notwendige und nützliche Beschäftigung, die Autoproduktion gehört definitiv nicht dazu.” [sagt Uwe Fritsch, Vorsitzender des Betriebsrats von VW-Braunschweig]. Das in den Köpfen der Beschäftigten zu verankern, sei in einem Land, in dem das Auto das “zweite Wohnzimmer” sei, allerdings nicht so einfach.

Der VW-Betriebsrat hat durchgesetzt, das ein Promille des Gesamtumsatzes in alternative Produktionskonzepte investiert werden müssen. “Das sind bei VW immerhin 100 Millionen Euro pro Jahr”, so Fritsch. Das Werk in Braunschweig kooperiere mit dem Stromanbieter Lichtblick, dessen Blockheizkraftwerke bei VW gebaut würden. …

Die Köpfe der Leute benennt Fritsch als ein wesentliches Problem. Dem Auto zu entsagen ist schwierig in einer Auto-Kultur, die immerzu genährt wird von immensen Budgets für Marketing-Kommunikation der Automobilindustrie. Kommunikativ ist diese ja sehr anpassungsfähig und arbeitet an “grün-nachhaltigen” Images. Klar, die gilt es zu enttarnen, wenn sie nicht mit den Fakten übereinstimmen, aber Kritik alleine ist zu wenig. Es gilt “autofreie Lebensweisen” attraktiv darzustellen und Images zu aufzubauen, die für diese “neue Wirklichkeit” stehen. Die entsprechenden Bilder und Botschaften müssten entsprechend verbreitet werden. Auch hierfür würde “ein Promille des Gesamtumsatzes” schon einiges Bewegen können (an Budget zur Kreation und Verbreitung ebensolcher Images). Wie kommen wir zu einer ausgewogeneren Präsenz von Themen und Images? Zu mehr Kommunikation von Anliegen und Aussagen hinter denen nicht primär Interessen und Budgets der Industrie stehen?

Platzbedarf: Auto vs. Bus

Die Bilder stammen von der Web-Site Autofreie Stadt (Danke für die Leihgabe!) von den Beiträgen “Europäische Kommission: Straßen Wieder für Menschen nutzbar machen” (zur Studie “Reclaiming city streets for people” der EU-Kommision) und “Interview mit Hermann Knoflacher” (ein Hinweis auf ein Interview mit dem autokritischen Verkehrsforscher in der Zeit). Weitere relevante Beiträge zum Thema finden sich auch im Magazin von fairkehr. In welche Richtung es (ohne Auto) gehen könnte deutet ein ein Beitrag über eine Volksinitiative in der Schweiz an, die “verlangt, dass viermal pro Jahr alle Straßen und Plätze nicht für Autos, sondern für autofreie Mobilität, für ‘Lifestyle’ zur Verfügung stehen.”* Ja, ein Lifestyle sollte es werden, es darf Spaß machen und soll als Bereicherung empfunden werden, nicht als bitterer Verzicht – denn mit Verzicht lässt sich nichts gewinnen, zumindest nicht “die” öffentliche Meinung. So was lifestyliges wie “LOHAS” (bloß ohne Auto und für die Massen) müsste daraus werden, aus der Idee der autofreien Gesellschaft, damit diese Realität werden kann. Wie wär’s mit “FAQL” (Fresh Air and Quality of Life) oder Lifestyle of Fresh Air (LOFA) – naja, da darf noch gebrainstormt werden ;-)

… und wer sich noch an die autofreien Sonntage in den 70ern erinnert, weiß wie toll es war auf der Autobahn Rollschuh zu fahren (derlei tief sitzende positive Erinnerungen an ein kindliches Vergnügen würde ich nutzen, wenn es darum ginge ein positives “autofrei-Image” aufzubauen).

* Ergebnis der Volksabstimmung vom 18.5.2003: 62.4% dagegen, 37.6 für autofreie Tage (Beteiligung 49.8% / Quelle). Wäre interessant zu erfahren, wie hier und heute eine solche Abstimmung ausfallen würde. Zumindest regional sollten autofreie Tage attraktiv vermittelt werden können à la “München feiert den Sommer – ohne Autos und draussen”. Dabei würden wieder wunderbar autofreie Assoziationen in die Köpfe der Menschen gelangen…. und nach und nach fügt sich das Image vom autofreier Freude und Lebensqualität.

Aktion auf Verkehrsinsel

… so weit ein paar bruchstückhafte Ansätze. Fortsetzung folgt.

ooops

ooops

hier testen.

Punk & Rock

punk

rock

¨ weg

Kleiner Eingriff, große Wirkung. Nur durch das löschen der zwei Punkte auf dem ä, kommt die Wahrheit an’s Licht: Unterm Strich zahl ich.

Peter Muehlbauer schreibt auf Telepolis zur Aktion des Bundes mündiger Bürger:

Der Bund mündiger Bürger (BmB) ruft derzeit dazu auf, ein Antragsformular für die Eröffnung eines Kontos bei der von der Regierung geplanten “Bad Bank” herunterzuladen: “Wer seine Miesen auf dem Konto schon immer loshaben wollte”, so der Appell, “oder wer einen lästigen Kredit und sonstige Verpflichtungen am Hals hat, die er gerne jemand anderen aufbürden würde, hat für die Dauer der Aktion die einmalige Gelegenheit dazu”. Das ausgefüllte und unterschriebene Formular soll entweder direkt an das Bundeskanzleramt oder an den BmB geschickt werden, der es dorthin weiterleiten will.

Ob dieses Bild von der selben Aktion stammt, weiss ich nicht (ich galube nicht), aber es passt zum Thema.

Zumwinkel Postbank

Vertrauen Sie keinem Wahlplakat!

Traue keinem Plakat

Das einzig vernünftige Wahlplakat bisher macht darauf aufmerksam wie wenig man ihm selbst und den anderen Plakaten trauen kann. Und genau neben diese gehört es, sagt die Piratenpartei und liefert eine Anleitung, die zeigt wie das geht. Also rein ins Internet und her mit den Informationen.

@ Alex: danke für den Hinweis!

Plastic Planet

Von der Site zum Film:

Kunststoffe können bis zu 500 Jahre in Böden und Gewässern überdauern und mit ihren unbekannten Zusatzstoffen unser Hormonsystem schädigen. Wussten Sie, dass Sie Plastik im Blut haben?

Regisseur Werner Boote zeigt in seinem investigativen Kinodokumentarfilm, dass Plastik zu einer globalen Bedrohung geworden ist. Er stellt Fragen, die uns alle angehen: Warum ändern wir unser Konsumverhalten nicht? Warum reagiert die Industrie nicht auf die Gefahren? Wer ist verantwortlich für die Müllberge in Wüsten und Meeren? Wer gewinnt dabei? Und wer verliert?

Das ist ernst und hört sich auch so an. Der Film enthält aber auch einige sehr witzige Szenen, die das Absurde unsres Planet Plastic rüberbringen.

International Greenpeace Tribune

International Herald Tribune vom 19. Dezember 2009:

International Greenpeace Tribune

RebelArt vom 27. Juni 2009:

The Yes Men haben wieder eine Tageszeitung gefälscht, diesmal im Auftrag von Greenpeace. Nachdem Greenpeace bereits mit Mark Jenkins zusammengearbeitet hat, hat anscheinend auch diese Organisation den Charme der Subversion erkannt. Gummiboot-Aktivismus ade! Via: Mail

Greenpeace Lügendetektor vom 18. Juni 2009:

Brüssel/London (dpa) – Mit einer täuschend echt nachgemachten Ausgabe der in Paris erscheinenden Zeitung «International Herald Tribune» hat die Umweltschutzorganisation Greenpeace am Donnerstag die Staats- und Regierungschefs der EU vor einer Klimakatastrophe gewarnt. Das Blatt mit dem Erscheinungsdatum 19. Dezember 2009 berichtet über einen «historischen Deal zum Schutz des Klimas», auf den sich die Klimakonferenz in Kopenhagen geeinigt habe. Die Greenpeace-Ausgabe der englischsprachigen Zeitung wurde wenige Stunden vor Beginn des EU-Gipfels in der Umgebung des Tagungsortes verteilt. Bei dem Treffen in Brüssel wollen die Staats- und Regierungschefs der 27 EU-Staaten auch über die Verringerung des Ausstoßes von Kohlendioxid beraten.

Natürlich, man darf gute Leute nicht belügen, aber die Betrüger zu betrügen, war schon immer eine List der Schwachen gegen die Starken und eines der schönsten Spiele überhaupt. Auch hat noch nicht jede unwahre Aussage die sittliche Qualität einer Lüge. Manchmal muß man mit der Täuschung der Wahrheit zum Durchbruch verhelfen.

Gert Postel

Branding und De-Branding

Hakenkehren - andreas-neumeister

Von Andreas Neumeister (via Evelyn per Mail)

brabd keyboard

mehr zum Brand Keyboard auf dem blog von Ingacio Pilotto.

Wir sind die Energie!

Stell Dir vor:

Mit schon 500 Euro bist Du Miteigentümer von 90 Stadtwerken mit 7,5 Millionen Kunden. Du kannst mitbestimmen, ob diese mit Atomstrom oder grünem Strom versorgt werden. Du kannst dafür sorgen, dass Millionenbeträge nicht länger in Konzernkassen versickern, sondern zurück in die Taschen der Bürger vor Ort fließen.

mehr bei energie-in-buergerhand.de

Zum Thema:

Konzerne zerschlagen – so eine Parole hört man sonst gewöhnlich von der

radikalen Linken. Wer sie jetzt umsetzt, ist die EU-Kommission. Die hat

befunden, dass der deutsche Strommarkt viel zu stark konzentriert ist, und

dass die vier großen Energieversorger viel zu viel Marktmacht haben. Jetzt

wird E.ON dazu verdonnert, einen Teil seines Kerngeschäfts zu veräußern. Der

Energieriese muss sich einiger Federn entledigen und wird seine Tochter

Thüga verkaufen.

Das wichtige daran ist nicht, dass es als diskursiver Sieg der Linken

gefeiert werden könnte. Viel wichtiger ist, dass dies eine große Chance zur

Re-Demokratisierung der Energiewirtschaft in Deutschland bietet. Und diese

Chance wurde auch sogleich ergriffen. Einige Freiburger Engagierte haben die

Initiative “Energie in Bürgerhand” [1] gegründet und möchten die Thüga

kaufen. Und sie dann zum ersten ökologischen und sozialverträglichen

Energiekonzern in Deutschland umbauen!

aus Energie in Bürgerhand von von Tilman Santarius via Attac-Konsumnetz@listi.jpberlin.de

Sehr schöner und bitterböser Kurzfilm zu, nun, “Glaubenskriegen” und Meinungs-Religionen. Unbedingt bis zum Ende anschauen!

schreibt KG auf dem Blog zum Seminar consentiment. Recht hat er. Verwirrend, böse und witzig in einer Mischung, wie sie wohl nur aus Österreich kommen kann.

Täuschungen gehören zu den grundlegenden Erfahrungen des Menschen – ob im öffentlichen Leben, in Politik und Wirtschaft, oder im individuellen Bereich der Wahrnehmung und des zwischenmenschlichen Umgangs. [...] Auch erfährt die „Manipulation des Augenscheinlichen“ verschiedene Bewertungen; sie ist negativ konnotiert als Arglist, Betrug und Fälschung, unterliegt – als List oder Finte – aber auch einer positiven Einschätzung, etwa dann, wenn der Schwächere den Stärkeren trickreich zu täuschen vermag, wovon Märchen und Mythologie berichten. [...] Gemäß dem Platonischen Höhlengleichnis, das von den Schatten der Erscheinungen zu den Ideen gelangt, ist dabei manche (Ent-)Täuschung vorprogrammiert – nämlich in der Erkenntnis, was Täuschungen ausmacht und wie sie funktionieren.

Zur Site von »Eine Höhle für Platon – (ENT-)TÄUSCHT! – Interdisziplinäre Vortrags- und Diskussionsveranstaltungen«

Verkopftes Vergnügen beim intellektuellen De-Branding !-)

müh geht gegen null

müh geht gegen null

[ erhalten via Email vom institut für leistungsabfall und kontemplation am 22. Mai 2009 22:40:20 MESZ ; Danke! ]

Mächte, Götter, Gebote

Die neue MÄCHTE ist da. Thema Götter. Mit einem kleinen Beitrag von mir: »Du sollst Dir ein Bildnis machen!« – eine kritische Auseinandersetzung mit unserer ›Image-Kultur‹ vor dem Hintergrund historischer Bilderverbote.

Mächte 2 Götter

Hier ein kleiner Ausschnitt, in dem ich kurz auf meine Idee von De-Branding eingehe.

Der Schlüssel zur Befreiung von der Macht der Bilder und der Images liegt in der Wahrnehmung der Image-Konsumenten. Ebenso wie Branding diese ablenkt und einlullt, kann „De-Branding“ sie wachrütteln und schärfen. So könnte man all die Taktiken und Praktiken nennen, die strategische Images dekonstruieren. De-Branding wirkt und arbeitet dabei auf den gleichen Ebenen wie Branding: zwischen Inszenierung und Wahrnehmung, zwischen globaler und persönlicher Image-Politik, zwischen Image-Aktivismus und Ökologie des Geistes.

Anderes sehe ich inzwischen ein Wenig anders – vor allem die Frage: »Was ist ein Image?« würde ich neu beantworten. Aber dazu demnächst mehr … denn es hört nie auf ;)

Vielen Dank an sum1 für den Link zu den Mächten (aus diesem hat sich für mich was recht produktives entwickelt). Danke auch an Evelyn für inspiriertes Korrektur lesen, sowie an Ernst-Uwe Küster für selbiges.

Es geht auch anders.

… und wenn’s sogar im HipHop anders geht, dann geht’s überall anders!

Danke Texta für diesen Hoffnungsschimmer!

Auf der Site von Texta gibt’s den Video in bester Qualität als mp4 zum download. Unbedingt auch den Geniestreich “(So schnö kaust gor net) schaun!” mit Attwenger anschauen/-hören.

… berichtet der der kress Mediendienst:

Von der dpa zur PR-Agentur: Bialecki wird Plato-Chef

Martin Bialecki, 41, seit Januar 2005 Leiter des Hauptstadtbüros der dpa, wird ab November 2009 Geschäftsführer von Plato Kommunikation. Der bisherige Geschäftsführer der Scholz & Friends-Tochter, Sebastian Fischer-Jung, scheidet aus “dringenden familiären Gründen” mit sofortiger Wirkung aus, so die Agentur in einer Mitteilung. In der Zwischenzeit übernimmt Klaus Dittko, Partner und Vorstand der Scholz & Friends Gruppe, das Zepter. Fischer-Jung will laut Plato nach Klärung der familiären Angelegenheiten ein neues Projekt in Sachen politische Kommunikation starten. Er stand seit Dezember 2007 an der Spitze von Plato Kommunikation (kress.de vom 11. Dezember 2007). Hintergrund: Plato Kommunikation wurde 1999 gegründet und ist spezialisiert auf Public Affairs und Public Relations. Die Agentur betreut Kunden aus den Branchen Finanzen, Rohstoffe, Telekommunikation, Logistik und Pharma.

How It All Ends

Saubere Argumentation zum Thema Klimawandel – - – folgt “Dem Prinzip Verantwortung” [1] von Hans Jonas [2], ist aber unterhaltsamer – - – Greg Craven gelingt es ein bedrückend ernstes Thema mit einer gewissen Leichtigkeit aufzuarbeiten. Respekt!

Greg Craven breitet seine Argumentation in mehreren Kapiteln/Videos aus. Im Index-Video gibt er einen Überblick:

Der Index als youtube playlist oder noch besser: “mehr Info” auf der youtube-Seite zum Video ausklappen.

[1] Lesenwerte Zusammenfassung des “Prinzip Verantwortung” als PDF von Micha H. Werner

[2] “Der schlechten Prognose den Vorrang zu geben gegenüber der guten, ist verantwortungsbewußtes Handeln im Hinblick auf zukünftige Generationen.” Hans Jonas

Greg Craven hat aus alledem jetzt auch ein Buch gemacht – - – ich hab’s nicht gelesen, aber wenn’s nur halb so gut ist wie die Videos …

Komsum mit Delle

Antiprneur Mini-Car-Crash

BUY BUY KONSUM auf Antipreneur.de.

Viel Vergnügen beim Shoppen !-)

Aufschlussreich ist das FAQ.

DIE ZEIT Attac Fake

Nach der NY-Times verbreitet jetzt eine gefälschte Ausgabe der ZEIT die Vision der Welt wie sie sein könnte (eine Aktion von Attac). Alles was man hierzu wissen muss steht schon wunderbar zusammengefasst im TAZ-Artikel »Eine “Zeit”, die ihrer Zeit voraus ist«.

Hier nur ein paar Ausschnitte:

“Wir wollen mit dieser Zeitung eine Zukunft beschreiben, die möglich ist”, sagt Fabian Scheidler von Attac: “Die Welt könnte anders aussehen. Es gibt andere Möglichkeiten als die, die uns von der etablierten Politik immer vorgegeben werden.”

Die Regierung will eine Energiewende-Agentur gründen, um für immer von von Atom und Kohle Abschied zu nehmen. Die Automobilindustrie wird wegen ihrer aggressiven Vermarktung umweltfeindlicher Autos für das Schmelzen eines Gletschers in Nepal verantwortlich gemacht und zu 1,5 Milliarden Dollar Schadensersatz verurteilt. Gentechnische Manipulation von Pflanzen ist kein Thema mehr, auch die Massentierhaltung wird abgeschafft, der Afghanistankrieg ist vorbei, Lobbyismus per Gesetz beschränkt.

Die Gruppe [ die YES MEN ] ist zu einer Institution geworden, eine politische Agenda haben die Yes Men aber nach wie vor nicht.

Und genau das ist das Problem, sagt der Kommunikations- und Medienwissenschaftler Marcus S. Kleiner von der Universität Siegen. Eine derartige Kommunikationsguerilla sei nur effektiv, wenn die Veranstalter ausreichend legitimiert seien. Dafür müsse es handfeste politische Inhalte geben, die beispielsweise hinter einer gefälschten Zeitung stehen würden.

“Bei den Yes Men überwiegt der Aha-Effekt,” sagt Kleiner. Die Aktion sei nicht mehr Mittel, sondern Zweck. Weil die Medien nur noch über die Yes Men berichten würden, gingen die Inhalte unter. Dazu bemängelt Kleiner, dass die Yes Men eine Stellvertreterschaft für die Gesellschaft übernehmen würden, die ihnen teilweise nicht zustände.

Für Attac sieht Kleiner dagegen gute Chancen, mit der gefälschten Zeit die gesellschaftliche Diskussion zu Attac-spezifischen Themen zu befeuern. Denn Attac habe ein Bildungssystem innerhalb der Organisation, habe ein klar formuliertes Programm und sei langfristig orientiert. Deshalb werde Attac ernst genommen und könne Expertise in den angesprochenen Themenbereichen aufweisen.

Ich finde es wunderbar, daß Attac hiermit endlich effektiv versucht Aufmerksamkeit für “ihre” Themen und Argumente auf eine Weise zu gewinnen, die möglicherweise auch ein Publikum anspricht, das nicht ohnehin bereits mit Attac und deren Ansätzen sympathisiert (“Aufklärung für Aufgeklärte”). Ich bin gespannt, ob sich Kleiner’s Einschätzung bewahrheitet und die Aktion eine Diskussion der Themen und Argumente beflügelt (und nicht “nur” ein Strohfeuer der Aufmerksamkeit entzündet, ob des frechen Streiches).

Haushalt

sambini domestic wall

sambini domestic wall crop 1

sambini domestic wall crop 2

Eine ebenso banale wie faszinierende Wand von Allesandro Sambini. Hier reinzoomen und scrollen (obacht Rießenbild = 50 MB! Laden Lohnt sich!).

Ein paar Fragen und Anmerkungen zur Arbeit (via chat am 21.3.2009)

Kris Krois [11:51]

fa piacere sempliciamente navigare / “scrollare” nel imagine.

is there some concept / general idea / method / … behind?

Alessandro Sambini [11:52]

ja

The idea is fully connected with the broader project I am carring on the Domestic Workers and the idea of domestic space. I am dealing with the issue of clash between foreigners inside the private spac of the house.

And the objects, are one of the charactes of this story. Very cheap objects, mass produced. A symptom of the global economy, associated with the idea of Good Life,

they become objects and weapons, a treasure to be protected by the outsiders. a system of coordinates that reveals the map of the domestic space

and a map of actions, behaviour strictly connected with the experiencing and consumption and developing of a Good Life.

Kris Krois [11:58]

gut. But i only do not really understand the topic “Domestic Workers”

do you mean domestic workers in this way: en.wikipedia.org/wiki/Domestic_worker ?

 

Alessandro Sambini [11:59]

yeah, but focused on the Philippines and Honk Kong. As well as japan, Malaisya, Cambogia… over there,

I am interested in the relation between the global scale and the micro private level, and I think that the servant problem is a nice place to focus. I’lll show you as soon as I produce something!

geschmacklos schlecht

Der Trinkjoghurt Actimel von Danone hat den “Goldenen Windbeutel 2009″ für die “dreisteste Werbelüge des Jahres” erhalten. Geschmeichelt war der Konzern allerdings nicht: Er verweigerte die Annahme des Preises.

aus »Actimel bekommt Auszeichnung für “dreisteste Werbelüge”« auf Spiegel.de

active ettikettenschwindel

Foodwatch verleiht besagten Preis und präsentiert mit einer interaktiven Grafik knapp die wichtigsten Argumente. Foodwatch zeigt damit, was jeder weiss: Werbung lügt und täuscht.

Als Gegenmittel verschreiben sie Transparenz, die u.a. durch eine Pflicht zur übersichtlichen Kennzeichnung, wie die sogenannte Ampelkennzeichnung, gewährleitet wäre. Doch dagegen wehrt sich Danone. An Stelle dessen verweist Danone lieber auf “30 wissenschaftliche Studien”.

danone_actimel-classic.jpg

Unter den weiteren Gewinnern befindet sich der “Biene Maja”-Kinderdrink von Bauer und weitere wunderbare Nahrungsmittel, die so tun als seien sie lustig und gesund. Gehirnwäsche durch den Magen.

NACHTRAG 22.3.:

Das Actimel-Fläschlein trägt stolz das Öko-Test-Label “gut”. Es scheint alles alles in Ordnung mit dem Produkt, möchte man denken. Wieso das nicht so ist, berichtet der Foodwatch Newsletter. Eine knappe Zusammenfassung gibt auf Sound of Sirens unter Actimel und Öko-Test.

peace on terror

peace on terror

geschmacklos gut

amok_ankuendigung_BILD

.

Da muss die Bild einschreiten.

Das Original gibt’s bei titanic-magazin.de als PDF (zu jedem Amok-Lauf bereit – nicht erst seit Winnenden). Und ja, es ist in Anbetracht der jüngsten Tragödie geschmacklos – aber wenigstens offen und ehrlich geschmacklos (will gar nix anderes sein!). Nicht versteckt geschmacklos, wie der weit verbreitete Betroffenheits-, Voyeurs- und Ablenkungsjournalismus.

Hype & Attention

Mitmachen!!!

Die Zeit drängt: Bereits im April soll die Aussaat des

Gen-Mais MON810 beginnen, der einzigen bisher bei uns

kommerziell angebauten Gentechnik-Pflanze. Jetzt muss

Landwirtschaftsministerin Ilse Aigner für ein sofortiges

Verbot von MON810 sorgen und damit die Aussaat des Gen-Mais

verhindern.

Das Online-Netzwerk Campact hat gemeinsam mit einem breiten

Bündnis aus Umwelt-, Bio- und Imkerverbänden eine dringende

Online-Aktion an die Ministerin gestartet.

Fordere von Ilse Aigner ein Verbot des Gen-Mais MON810:

www.campact.de/gentec/sn3/signer

Kapitalismus am Ende?

… wohl kaum, obwohl eine noch viel drastischere Krise nicht unwahrscheinlich ist. Allerdings kann auch nach einer Hyperinflation und einem zeitweilig totalem Zusammenbruch der Kapitalismus neu starten – mit neuen Regeln. Wie diese aussehen sollten und wie darauf am besten strategisch hinarbeitet werden kann, würde mich sehr interessieren.

Finanzkrise, Wirtschaftskrise, Energiekrise, Umweltkrise. Schafft der Kapitalismus sich selbst ab? Mit dem größten Crash an den Finanzmärkten seit der Weltwirtschaftskrise 1929 ist das Modell des Finanzmarktkapitalismus kollabiert. Die Weltwirtschaft rutscht in die Rezession. 3,1 Milliarden Menschen leben in Armut, davon 1,4 Milliarden unterhalb der absoluten Armutsgrenze. Die Klimaerwärmung beschleunigt sich, die fossilen Energien werden knapp.

Immer mehr Menschen reiben sich die Augen und fragen, ob ein Wirtschaftssystem, das solche katastrophalen Krisen hervorbringt, wirklich „das Ende der Geschichte” sein kann. Es ist an der Zeit, über den Kapitalismus zu reden – und vor allem über Alternativen.

Der Attac Kongress vom 6. bis 8. März 2009 in Berlin

NACHTRAG: Die Video-Zusammenfassung des Kongresses

… und im Mai erscheint das Buch zum Thema:

Robert Brenner / Daniela Dahn /

Friedhelm Hengsbach / Saskia Sassen u.a.

Kapitalismus am Ende?

attac: Analysen und Alternativen

240 Seiten (Mai 2009)

EUR 14.80 sFr 26.00

ISBN 978-3-89965-350-2

“We aren’t leaving till BMW stops making cars,” declared Andy Bichlbaum and Mike Bonanno (also known as “The Yes Men”) as they planted themselves in the middle of the red carpet wearing ridiculous inflatable costumes. “Cars are killing the planet, and charity events that greenwash their image aren’t helping.”

weiter auf dem neuen Blog der Yes Men.

neulich auf dem roten Teppich der “Cinema for Peace” charity gala der Berlinale (Hauptsponsor: BMW)

… darf jetzt gefragt werden!

UPDATE: 11.2.: Das Interview war interessant – das spontane Spinnen einer kleinen Aktion ebenfalls und der neue Film ist klasse. Mehr dazu demnächst. Danke für eure Fragen!

Am Montag werde ich die wunderbare Gelegenheit haben, die Yes Men zu sprechen. Sie stellen auf der Berlinale ihren neuen FilmThe Yes Men fix the World” vor.

Wer Fragen an die Yes Men hat, kann diese gerne hier als “Kommentar” abgeben. Ich werde diese weiterleiten :)

Auto-Ergänzungen

zu “Verkehrte Welt 2: Öko-Image vs. Öko-Realität

1. Advertorial / PR

Nachtrag zu Werbung schadet (2): auto, motor und sport auf konsumpf.de und dem Beitrag Werbung für die Werbung über die Vermischung redaktioneller Inhalte mit Werbebotschaften und PR-Arbeit (“Advertorial”) im Greenpeace Lügendetektor.

2. Protest bringt doch was

Aus Bundesregierung einig über Kfz-Steuerreform im greenpeace magazin:

“Die Abgabe für die mehr als 40 Millionen Autofahrer soll zum 1. Juli 2009 auf eine klimafreundlichere Steuer umgestellt werden. [...] . Verhindert wurde die Absicht, große spritfressende Geländewagen steuerlich zu begünstigen.”

ueber Macht Plakat

Filmtournee »ueber Macht«

ueber Macht ist von Januar 2009 bis Herbst 2009 in 120 deutschen Städten zu Gast. 13 Dokumentarfilme regen zum Nachdenken an über die Macht, ihre Kontrolle, über nötige und unnötige Regeln und die besten Wege zu mehr Selbstbestimmung. Rund 30 bundesweite und mehr als 1.000 regionale Verbände und Organisationen der Zivilgesellschaft sind beteiligt, die in den 120 Städten Publikumsdiskussionen und Filmgespräche zu jeder Vorführung organisieren. Damit will das Festival die Vernetzung zivilgesellschaftlicher Initiativen und das Engagement von Ehrenamtlern fördern.

Tipp:

Monsanto, mit Gift und Genen

Genetisch veränderte Lebensmittel sind sicher. Das sagen die Hersteller-Firmen. Marie-Monique Robins brillante Recherche über den Biotechnologie-Konzern Monsanto untersucht, wie die »wissenschaftlichen Beweise« für diese Behauptung zu Stande kommen. Sie findet heraus, dass Gen-Manipulierer auch Forschungsergebnisse manipulieren. Gegenstimmen bringt Monsanto systematisch zum Verstummen. Robins Film enthüllt die Einflussnahme des Konzerns auf Politik und Kontrollbehörden bei seinem weltumspannenden Griff nach der Macht über unser Essen.

Weiterer Info-Comfort: Audio Press Kit auf diegesellschafter.de

via konsumpf.de

Verbreitung einer “Krankheit”

mike mills soul cold

Does Your Soul Have A Cold [...] is a documentary that looks at how the concept of depression and the use of anti-depressants have just recently been introduced in Japan. This new awareness has largely come about from Western pharmaceutical companies’ advertising.

Mike Mills

mike mills utso 1mike mills utso 2

Was überwiegt in diesem Beitrag: Meinungsmache von CNN, um Werbe-Kritische Anwandlungen auch in den USA zu unterbinden oder berechtigte Kritik an der Gefahr staatlicher Einflussnahme? Diese und andere Fragen kommen beim betrachten des Beitrages auf – anregend zu weiterdenken und recherchieren ….


Mist: wordPress zerhaut den Link! Ich kann’s nicht ändern. Tipps?

Bis zur Lösung des Problems: CNN video > Suche nach: “French public TV dumps ads” (CNN.com gibt keine Permalinks raus :-(

Image vs. Facts

Image vs. Fact

aus  der Arbeit Reality Checking Device von Susanna Hertrich

via tartley.com

Das ist für mich ein Modell der Ethik der Zukunft: Sich seiner Begrenztheit bewußt zu werden und durch die Begrenztheit meiner Fähigkeiten dazu genötigt zu werden, andere anerkennen zu können. Das ist eine sehr bescheidene Ethik, denn sie muß ja auch sagen: Das geht mich nichts an, dafür bin ich nicht kompetent! Ich bin nicht dafür verantwortlich, ob in der äußeren Mongolei Demokratie eingeführt wird oder nicht. Es ist ein verantwortungsloses Geschwätz, wenn ich mich jetzt für die Befreiung von Tibet engagiere. Hingegen bin ich dann verantwortlich, wenn in Südfrankreich, also da, wo ich jetzt lebe, Menschen Fremde prügeln. Ich muß irgendetwas innerhalb meiner Kompetenz tun, um das einzudämmen.*

Das schließt nicht aus, daß wir uns darum kümmern sollten, welche Entscheidungen hier gefällt werden, die Tibet, die Mongolei, Afghanistan, Iran, Irak, usw. betreffen. Wenn von hier beispielsweise Waffen exportiert werden, Soldaten auf zweifelhafte Missionen geschickt werden, Handel getrieben wird mit entfernten Ländern, dann hat das mit uns zu tun. Dann sind wir kompetent diese Entscheidungen zu beeinflussen, da sie hier gefällt werden und wir als Bürger durchaus Mittel haben Politik und Wirtschaft zu beeinflussen. Natürlich kann sich von uns hier nicht jeder um alles kümmern. Jeder hat seine Kompetenzen und kann diese erweitern, um sich dann in einem (oder auch mehreren) Bereichen kompetent zu engagieren. Und sei der Kompetenzbereich auch noch so klein. Der eine kümmert sich um das Wohl seiner Nachbarschaft oder die Handhabung von Energie in seiner Umgebung, der Andere ist Wirtschaftexperte und versucht die Politik zu Gesetzen zu bewegen, die für mehr Gerechtigkeit und weniger Ausbeutung sorgen. Dazwischen und Aussenrum gibt es unendliche rießige und winzige Kompetenzfelder – für jeden das passende !-)

*Aus Nächstenliebe im elektronischen Zeitalter, ein Interview mit Vilém Flussers auf telepolis.de.

LobbyPlanet Berlin

Ob es um die Finanzmärkte geht, um Klimaschutz oder um die Lebensmittel, die wir essen – überall hinterlassen Lobbyisten ihre Spuren, auch wenn sie auf den ersten Blick für den Bürger nicht erkennbar sind. In den letzten Wochen haben wir viele Steine umgedreht, Wegmarken gesucht und dunkle Stellen ausgeleuchtet, um diese Spuren für Sie, liebe Leser, sichtbar zu machen und zu „kartieren“. Jetzt ist das Ergebnis da:Der „LobbyPlanet Berlin“, Stadtführer durch den Berliner Lobby-Dschungel.

Anhand von über 50 Stationen erläutern wir die Methoden und Tricks der Lobbyisten und Strippenzieher. Wir zeigen Ihnen, wo und wie zwischen touristischen Sehenswürdigkeiten und glitzernden Einkaufswelten Politik gemacht wird – und welche Interessen dabei zu kurz kommen. Der „LobbyPlanet Berlin“ gibt eine leicht verständliche Einführung in folgende Themen: Was ist Lobbying? Wie arbeitet ein Lobbyist? Wieso betrifft mich das?

Dies und noch viel mehr gibt im “Lobby Planet Berlin”, dem wunderlichen Stadtführer, der andere Blicke auf Berlin, Politik und Wirtschaft gibt. Auf dem Blog von Lobby Control gibt’s mehr Informationen hierzu und die Möglichkeit das Machwerk zu bestellen.

vw_BlueMotion

Mit Autos das Klima ruinieren ist nicht gut. Dem kann jeder nur zustimmen.  Fette Karren mit gut PS unter der Haube sind trotzdem sexy. Diesen Widerspruch nährt die Autoindustrie, weil Sie an den geilen großen und schnellen Wägen mehr verdient, als an den kleinen und vernünftigen. Sie möchte den Widerspruch auflösen, indem sie versucht sich ein grünes Image zu verpassen. Letzteres kann man im Artikel über den Pariser Autosalon im Handelsblatt feststellen, der wohl selbst Teil der grünen PR ist. Der Lügendetektor des Greenpeace-Magazines enttarnt die Grün-Image-Propaganda. Inwieweit die Praxis der Autokonzerne ihrem anvisierten Öko-Image widerspricht lässt sich auch in der Studie “Greenwash in Zeiten des Klimawandels” (PDF) von Ulrich Müller (lobbycontrol) nachlesen.

seat_exeao

Autos sind  noch immer wichtiges Symbol für Status, Distinktion und Life-Style. Dahinter steht nicht nur die Macht einer Kultur, sondern eine mächtige Industrie die diese Kultur geprägt hat und alles dafür tut, daß das Auto nicht nur als Fortbewegungsmittel gesehen wird, sondern als Kultmittel. Mit daran hängen mehrere Branchen mit unzähligen kleineren und größeren Unternehmen, die mit allen Mitteln versuchen die aktuelle Popularität von “Öko” mit den “Images vom Automobil” in Einklang zu bringen, was meist nicht ohne unüberbrückbare Widersprüche funktioniert (vgl. Verkehrte Welt 1: Vollgas Öko).

golf_gti

NY Times Ergänzungen

Nachtrag (14.11.08):

Die Aktion zieht Kreise, u.a. heute, 14.11., in der SZ (bereits am 12.11. online).

Man kann gespannt sein inwieweit die Aktion die öffentliche Wahrnehmung und Diskussion der implizit und explizit angesprochenen Themen beeinflussen kann. Aufmerksamkeit generiert sie auf jeden Fall schon mal. Dies mal steht aber nicht im Vordergund einen “Fake” glaubhaft zu inszenieren, der durch seine Übertreibungen (subversive Affirmation) oder durch seine Rätselhaftigkeit Irritationen der Wahrnehmung und in Folge Auseinandersetzungen erwirkt, die Images und andere Effekte strategischer Kommunikation dekonstruieren. Die Vorliegende Aktion besitzt wesentlich utopischere Züge: zum einen sind die fiktiven News “gute” Nachrichten. Sie führen die Möglichkeit einer gerechteren Welt vor. Zum anderen werden konkrete Hinweise gegeben, was heute dafür getan werden kann, um irgendwann dort hin zu komen, wo eine solche Ausgabe von der echten NY Times stammen könnte.

This special edition of The New York Times comes from a future in which we are accomplishing what we know today to be possible.

Im Gegensatz dazu stehen die fiktiven Anzeigen. Hier waltet der subversive Witz, der das Absurde oder Widersprüchliche im Normalen sichtbar macht (“Identity Correction“) und durch provozierende Übertreibungen ein Nachdenken darüber bewirkt, was mit der Normalität “nicht stimmt”.

Weil’s gar so schön ist gibt’s noch ein paar Ergänzungen zur traumhaften Ausgabe zur NY Times (s. Beitrag von Fred):

der Link zur Site der NY Times unserer Träume.

NY Times Hoax

Ein bisschen Werbung (Flash)

Obama Ad

Im Fineprint wird Flagge bekannt und Weiterführendes vermittelt. Unter Corrections wird einiges richtiggestellt. Und hier gibt’s Videos über die Aktion.

“All the news that’s fit to print” wird zu “All the news we hope to print”.

Es war eine so perfekte wie spektakuläre Parodie. Eine Aktivistengruppe hat eine gefälschte “New York Times” in Millionenauflage in US-Metropolen verteilt – mit Nachrichten aus einer Zukunft, von der sie träumen: Die Kriege sind vorbei, George W. Bush wird angeklagt, Condi Rice outet sich als Lügnerin.

Sie sah täuschend echt aus – nur was in der angeblichen Sonderausgabe der “New York Times” zu lesen war, ließ die Leser stutzen. Die Kriege im Irak und in Afghanistan seien beendet, das US-Gefangenenlager Guantanamo Bay auf Kuba geschlossen worden, George W. Bush werde wegen Hochverrats angeklagt, stand da zu lesen.

Link zum PDF

Weiterlesen

Die Jan van Eyck Academie ruft zur Teilnahme an einem interessanten Forschungsprojekt auf. Hierein Ausschnitt:

Extrastatecraft: Hidden Organizations, Spatial Contagions and Activism, a new project of the Design department, initiated by Keller Easterling, researches underexplored territory in the world’s infrastructural and organizational strata. The work focuses on shared protocols, managerial subroutines and financial instruments as they produce and program physical space around the world. Perhaps because these organizations operate in the background, in an active and relational rather than nominative register, their political outcomes are often at once pervasive and mysterious.

For instance, how do organizations like the ISO (International Organization for Standardization) or McKinsey determine management protocols? How do construction networks, more than the singular creations of architects and urbanists, disseminate materials and processes that determine how the world is calibrated? How do markets and financial instruments create templates that shape space?

The research also explores the political leverage latent in this renovated conception of global infrastructure. Some of the most radical changes to the globalizing world are being written, not in the language of law and diplomacy, but rather in the language of architecture, urbanism and infrastructure. Armand Mattelart argues that global infrastructure is a field that is ‘young and uncharted’ largely because it is often still considered in terms of national rather than international histories. Moreover, the political instrumentality of these increasingly familiar global spheres is still frequently theorized in terms of militarization or universal rationalization, when they might really be agents of more discrepant or obscure forms of polity. The notion that there is either a dominant logic or a proper forthright realm of political negotiation usually acts as the perfect camouflage for parallel political activity – the medium of subterfuge, hoax and hyperbole that actually rules the world.

Der Komplette Auschreibungstext ist auf der Site der Jan van Eyck Academie zu finden. Abgabetermin ist der 24.11.2008

Architecture gets buggy

bugtopia logo

BUGtopia aims to disrupt the elegant neutrality of the Biennale ambience, twisting the public attention from the masterpieces – incarnations of auto-referential rhetoric – to underline the vital aspects of the space and intervene in it with open eyes and creative hands. Throughout a playful pathway, every single visitor can make a contribution to “contaminate the Biennale”, in order to make it a new space to take possession of.

The contamination will take place throughout the various implementations of the “bug” concept: not only a defect or difficulty, but an organism, that spreads fortuitously in the urban fabric, giving place to unexpected phenomena.

As for every game there will be some rules to follow: every player will be given some materials (images, paper, felt-pens, cardboards, glue, scissors…) and she/he can choose to build up or to assemble (with the collage technique) some silhouettes, which represent cross sections of city life.

Leaving her/his bug inside the Biennale’s park, the player becomes the actor of the event and offers her/his personal, customized contribution. This is documented with pictures, put up on an inflatable implant (“Ciccio”) that is the creative workshop where everything begins.

In return, the player will be given a BUGpin, a distinguishing badge of her/his making the Venice Biennale a place closer to the effective social and public dimension of our cities.

bugtopia example

(Das war das Ergebnis des Workshops “PUBLIC SPACE AND THE ECONOMY OF ATTENTION“, den ich am Master für “Digital Environments Design” der NABA gegeben habe. Schön, daß es möglich war etwas vollkommen analoges und high-tec-freies zu machen, was gleichzeitig interaktiv, sozial, kritisch, subversiv und nett ist !-) Mein Dank geht an die aktiven Studenten und an Paolo Atzori, der den Rahmen ermöglicht hat.)

Democracy in the Age of Branding

Democracy in the Age of Branding

When the U.S. launched its military campaign in Iraq in the name of democracy, it announced at the same time a ‘war of ideas,’ a marketing campaign to export American values worldwide. Democracy has become a global brand.

Eine Ausstellung der Parsons School of Design.

Hierzu gäbe es viel zu sagen, aber gerade keine Zeit für das wählen von Worten. Also gibt’s erst mal einfach den Link zur Site und einen Hinweis auf den Colbert Report, der das Thema auch schon mal angegangen ist.

Großes Kino / Große Marken

Brand Movie Posters

Mehr “Movie Posters with Brand Integration” auf a2591 .

Was treibt die Kunst (an)?

Schweinekunst

In ihrem ausgezeichneten Artikel “Kunst und Publicity – Das Diktat der Marken” bringt Brigite Werneburg in der TAZ auf den Punkt, was Kunst heute (an)treibt. Sie beschreibt, wie das Branding-Paradigma [1] sich auf “die Kunst” auswirkt und welche Interessen es nähren.

Hier ein kleiner Ausschnitt:

So aufregend hat man sich das Crossover von Mode und Kunst immer vorgestellt. Störende Gegenentwürfe kommen dank der Marketinginstrumente der Corporate Culture erst gar nicht ins Spiel. Denn als Form einer weiterreichenden Markenbildung drängt sie die inhaltliche Auseinandersetzung mit dem Werk selbst erfolgreich in den Hintergrund.

Wie schon das deutsche “Gesetz über den Schutz von Marken und sonstigen Kennzeichnungen” weiß, kann “niemals ein Produkt die Marke selbst sein. Was also produktbedingt geformt ist, stellt gleichzeitig nicht die Marke des Produkts dar.” Ganz dieser Definition entsprechend wird denn auch anlässlich von Jeff Koons Versailles-Auftritt auf einer ganzen Zeitungsseite des Figaro wohl über die Gästeliste des Galadinners (u. a. die Schauspielerin Fanny Ardant, Schlankmacher Karl Lagerfeld, Albert von Monaco und Gloria, Fürstin Thurn und Taxis etc. etc.), nicht aber über die Ausstellung selbst debattiert. Sensationsheischend ist der Ton hier wie dort, wo die Kunstberichterstattung Damien Hirsts Sothebys Auktion verteidigt und feiert.

Tatsächlich steht die abenteuerliche Aktion mehr für die Marke Hirst als die sattsam bekannten Schmetterlingsbilder, Arzneimittelschränke oder in Formaldehyd eingelegten Tierkadaver seines Werks.

Dem Artikel ist eigentlich nicht viel hinzuzufügen, ausser wie man nun als Mensch, für den Kunst an sich bedeutsam ist, damit umgehen kann. Ich bin für Ignorieren. Wenn das gelegentlich aufgrund der Omnipresenz des Spektakels nicht klappen sollte, dann dieses einfach nicht ernst nehmen, lächeln und weitergehen, – zur Kunst. Sich ausschließlich auf die Wahrnehmung der Kunst konzentrieren und dem Ganzen Drumherum keine Beachtung schenken. Jeder Versuch auf kreative Weise das Branding-Kunst-Phänomen zu dekonstruieren wird es noch mehr stärken. De-Branding kann hier nur in der persönlichen Wahrnehmung passieren, nicht als Aktionismus. Denn letzterer würde den Brands der Kunst nur noch mehr Aufmerksamkeit verschaffen und/oder im Erfolgsfall sofort vereinnahmt werden und selbst zum nächsten Kunst-Brand werden (oder zum nächsten Mode-Brand oder beides ;-)

[1] Es scheint  in unserer globalen Konsumkultur ein Imperativ des Image herrschen. Arbeite an deinem Image und nehme Images wahr! Dieser Imperativ zieht sich durch alle Bereiche und Ebenen der Gesellschaft. Alle handeln danach: Individuen, Unternehmen, Nationen, … und eben auch Künstler.

Wenn nun “Image!” der Imperativ ist, dann ist Branding, also strategisches Image Management,  das Paradigma –  das Muster, das sich durch alles zieht.

The Day I Gave Away My Fears

tdigamfmarkusvater(work by Markus Vater)

THE FREE ART FAIR 2008 (London – October 13 – 19, 2008)

the art fair where all the work is given away at the end

“Instead of art going to the highest bidder or those who can afford it, someone who really loves an artwork will be able to have it for free at the end of the fair… pieces by artists from the Saatchi Collection, Tate, galleries like White Cube and Haunch of Vension, as well as by emerging international artists.

“I thought we should do something different from what everyone else is doing at this time of year and non-commerical, and something that excites people and values art not selling…” (Jasper Joffe, founder of The Free Art Fair)

The first FREE ART FAIR 2007 was terrific and provoked heated debate about the value of contemporary art. The Daily Telegraph described it as the “most radical departure from art fair commercialism“.  Press coverage in national and international media culminated in a live broadcast of the final give away on BBC News 24. People camped out overnight to secure the piece they wanted and by morning, the queue snaked through Marylebone Street with over 700 members of the public registering interest.”

Was für ein Spektakel (Kunst, Medien, Gesellschaft)… und doch geht’s wieder um Haben-Wollen, Konsum, Kommerz und Aufmerksamkeit.

IF

Fotos halten die Wirklichkeit fest und dienen der (persönlichen) Erinnerung? Ahwah!

Blitzartig und subtil hackt sich Julius von Bismarcks Image Fulgurator (Goldene Nica auf der Ars Electronica 2008/”Interactive Art”) in die Aufnahme, manipuliert und branded Foto, Motiv oder festgehaltenes Ereignis mit Symbolen und Sätzen, etc., die einen an der eigenen Wahrnehmung der Realität zweifeln lassen, aber auch (und vor allem) zum Nachdenken bringen sollen.

Der Image Fulgurator ist ein Apparat zur minimal-invasiven Manipulation von Fotografien mit einer simplen Funktionsweise: Ein Sensor registriert, wenn ein Blitzlicht ausgelöst wird und projiziert dann für den Bruchteil einer Sekunde ein beliebiges Bild auf das Fotomotiv. Der Image Fulgurator besteht aus einer herkömmlichen Spiegelreflexkamera und einem Blitzgerät (eine digitale Variante des Bildstörers ist in Arbeit). Das zu projizierende Motiv befindet sich auf einem entwickelten Diafilm in der Kamera. Als “Projektionslampe” wird ein Blitzgerät verwendet, das hinter der Kamera montiert ist.

In einem Video auf Bismarcks Website ist die Funktionsweise des Fulgurators in der Praxis zu sehen. Am Checkpoint Charlie in Berlin wird die Apparatur eingesetzt, um auf das berühmte Schild “You are entering the American Sector” den Satz “Hundreds of people died last year by trying this at the US-Mexico border” zu projizieren – ganz zur Verunsicherung zahlreicher Touristen, die das geschichtsträchtige Schild (mit Blitz) fotografiert haben und danach ungläubig auf ihre Kameradisplays starren.

Zur Beruhigung: Julius von Bismarck, der an der Berliner Universität der Künste studiert, hat seine Erfindung bereits als Patent eingereicht hat, um zu verhindern, dass Unternehmen den Fulgurator für Werbezwecke einsetzen, siehe John Carpenters Film “They Live” (->Post von Fabio hier weiter unten).

Eine gruselige Vorstellung, plötzlich und ungewollt meine Fotos mit Werbung und Logos von Markenfirmen gebranded zu sehen. Und noch schlimmer, selbst beim Fotografieren nicht mehr davor sicher zu sein…

Verkehrte Welt 1: Vollgas Öko

green prosche

Schnelle Autos gehören zu unserem Life-Style. Wir können weiter voll Gas geben und ungebremst konsumieren. Wir müssen auf nichts verzichten und nichts verändern – schon gar nicht unsere coolen Images. Doch! Wir verleihen ihnen einen grünen Anstrich. Und alles ist gut!

“Verzichtet auf nichts und tut damit Gutes!” lautet der Tenor, in den Unternehmen einstimmen, um mit ihrem ökologischen Image ihre Produkte aufzupolieren und dem ungebremsten Kosumenten ein gutes Gewissen mitverkaufen. Was auf der Image-Ebene funktionieren mag, funktioniert allerdings meist nicht im Sinne echter Ökologie. Dies belegt der Artikel “Klein, aber oho (4): X-Leasing München” des greenpeace Lügendetektors.

eliasson ice BMW

Besonders schlau baut BMW sein Image als verantwortungsvolles und ökologisches Unternehmen auf. Mit dem „Your mobile expectations: BMW H2R Project” hilft ihnen Olafur Eliasson ihre Botschaft glaubwürdig zu kommunizieren – und verleiht obendrein dem BMW-Fahren und damit dem Fette-Autos-Fahren im Allgmeinen einen kulturellen Anstrich. Die Kunstwelt spielt bereitwillig mit. In der gesamten Presse finden sich fast ausschließlich Artikel, die Variationen oder Kopien der Pressemeldung von BMW sind. Denn wer wird schon Olafur Eliasson kritisieren. Er ist bereits eine unantastbare Icone (die würde ich mir auch kaufen, wenn ich BMW wäre).

Eliasson Your mobile Expectations

Guerilla Marketing auf ebay

Das System ganz verblüffend einfach nutzend, ist einer Kunststudentin eine wirklich gute guerilla marketing aktion auf ebay gelungen, die “Konsumverhalten hinterfragt, Auswirkungen auf unsere Gesellschaft sichtbar macht”, ebay aushebelt und für einiges Aufsehen (neon und saatchi), Auf- und Anregung gesorgt hat: fragen.

ebay (noch) vollkommen machtlos, weil alles ganz “ordnungsgemäss”, der potentielle Käufer ratlos, aufgebracht bis begeistert (ich frage mich ja nur, wie die eigentlich auf die Seite mit z. B. dem Pelzmantel kommen?) oder vollkommen abgestumpft.

Als ganz reguläres ebay- Mitglied angemeldet, wurden real existierende Markenartikel (Nike Turnschuhe, Pelzmäntel, Parfum, Handys etc.) wie üblich für die Auktion eingestellt und im ersten Abschnitt kurz beschrieben (“Sexy Adidas Bikini!”, “Wunderschöner Pelzmantel”, …) persi.

Dann aber folgten ausführliche Hintergründe zu Produktionsverhältnissen (Sweatboxes, Kinderarbeit, Tierversuche, Zucht- und Gerbmethoden) in Texten und zahlreichen, mehr als anschaulichen, abschreckenden Bildern mit den korrekten Quellenangaben.

Auch wurden verschiedene Kaufalternativen und die ausdrückliche Erklärung abgebeben, die Angebote seien “keine Fakes”, alle Objekte werden wirklich zum Kauf angeboten”. persi2

Die Entscheidung lag nun beim mündigen, informiertem Käufer mit dem traurigen Resultat: ein Pelzmantel ging für 120 Euro weg, Parfum für um die 10 Euro, die restlichen Artkel ebenfalls…!!!???

stumpfi

Mehr über die aktion unter powerseller08

Spektakel nach dem Tod

Nachtrag zu “Unwirklichkeiten 1: Tod“:

Was spricht aus dem medialen Erfolg des Projektes “The Great Pyramid“?

1. Es gibt einen Bedarf an alternativen Formen von Grabstätten. Die bestehenden Angebote der Kirchen und Städte erfüllen nicht die Bedürfnisse und Sehnsüchte vieler Menschen.

2. Tod und Trauer dürfen thematisiert werden. Die Inszenierung muss nur spektakulär genug sein und gleichzeitig Distanz schaffen. Die Medien sind offensichtlich voll von Tod und Leiden. Niemand stört sich daran, denn es ist ja alles weit weg. Man muss und kann nicht selbst eingreifen. Es berührt wortwörtlich niemanden. Ähnlich funktioniert The Great Pyramid. In ihr werden all die Toten weit weg geschafft. Dennoch sind sie gut sichtbar repräsentiert, denn die Pyramide ist in ihrer Monumentalität sensationell und kommt somit in “den Medien” optimal rüber.

Das Projekt steht also nicht etwa für einen neuen – wieder offeneren – Umgang mit Tod und Trauer. Vielmehr fügen sich damit diese Themen in die Logik des Spektakels ein. Tod und Trauer werden in der unmittelbaren Umgebung und direkten Auseinandersetzung weiterhin gemieden werden. Sie würden mit dem Weltzentralfriedhof endgültig ausserhalb des Alltäglichen gerückt werden. Und zum Ausgleich besuchen wir dann den “Themepark” des Todes, was dann sicher ein “ganz tolles Erlebnis” gewesen sein wird.

Unwirklichkeiten 1: Tod

Tod und Trauer sind bekanntlich Themen, die in unserer Gesellschaft wenig populär sind. Ewige Jugend hingegen scheint zwingend, alles Andere wäre eine Belastung, mit der sich niemand auseinandersetzen möchte. Performance und Fun bis zum Ende. Und selbst dieses wird jetzt weniger bitter: denn danach geht’s weiter! Das Ego darf sich auch über den Tod hinaus nähren – bis in alle Ewigkeit – als Teil der “Great Pyramid“.

 The Great Pyramid Online

Die eigene körperliche Existenz zu überdauern konnten die ägyptischen Pyramiden nur wenigen versprechen. Nun steht dieser Weg allen Menschen offen. Statt unseren Körper verscharren oder seine Asche ausstreuen zu lassen, können wir als kleiner Stein der Pyramide Teil des sich stetig wandelnden und wachsenden Gemäldes unserer Spezies bleiben.Deutschland, das seinen Weg in die neue globale Welt nur schwerfällig findet, hat mit der Großen Pyramide wieder ein Projekt, das dauerhaft führend bleiben wird.

Ich dachte zunächst das Ganze sei ein Fake, ähnlich, wie die Inszenierung “Misson Eternity – crossing the deadline” von Uebermorgen.com, deren “Vision” hier als Video kommuniziert wird – “The Matrix” für Tote, die ewig leben wollen.

Misson Eternity

Doch The Great Pyramid ist “echt”, oder besser soll ein echtes Bauwerk werden.

A Tomb for All People

Dieser Entwurf ist von gesamtgesellschaftlicher Relevanz, mit ihm wird ein Schlussstrich unter die Jugendkultur gezogen. Welch ein Auftrag für ein deutsches Büro! Hier haben Architekten die Chance, ein „Las Vegas des Todes“ zu errichten, ohne sich mit Diktatoren und Frauenfeinden verbandeln zu müssen, lediglich mit einem 38-jährigen Jungen aus Bielefeld.

aus der Zeitschrift Bauwelt(Ausgabe 14 | 2008 PDF download)

Auf der Architektur-Site eikongraphia.com sind die Ergebnisse des Architekturwettbewerbes zu bewundern. Den Architekten WeiWei & Fake Design (sind die mit Ubermorgen verwandt?) scheint die Absurdität des Unternehmens nicht entgangen zu sein, wie ihre Illustrationen belegen:

Celebrate death as part of life

Doch dem Rest scheint’s ernst, oder?

Diagramm Pyramide

“Jeder soll mitmachen dürfen bei der künftigen Weihestätte der Egalität.” Frankfurter Rundschau (PDF Download)

Oder ist die Great Pyramid doch auch eine Projekt von Uebermorgen, nur eben noch viel besser als Mission Eternity, weil glaubwürdiger inszeniert, viel diskutiert und auch ernsthaft umstritten, wie auch an den vielen Reaktionen in der Presse zu sehen ist?

De-Branding @ Bozen

Brandzeichen lassen sich nicht ausradieren. Man kann sie aber überlagern, sie verfremden oder ihnen andere Zeichen entgegen setzen. Man kann sich ihres Codes für eigene Zwecke bemächtigen. Man kann sie überhaupt erst als Brandzeichen entlarven und ihr Verhältnis zwischen Kreatur (Rindvieh / Konsument), Kreateur (Cowboy / Designer) und kreatowner (Landbesitzer / Auftraggeber) erkennbar machen. De-Branding will diesen Kreislauf stören und damit bei allen Beteiligten neue kreative Prozesse hin zu einer neuen ‘Brand-Mündigkeit’ (oder ‘Brand-Müdigkeit’?) anstoßen.

de-branding kreislauf

Im Anschluss an den Vortrag wird der Filme „Culture Jamming – Media Actionism in the 21st Century“ von David Schwertgen gezeigt. Außerdem wird es Ausschnitte aus den Filmen „Nikeground – Rethinking Space“ von 01.org und dem institute for new culture technologies/t0 und „The Yes Men“ zu sehen geben.

Für mein Buch De-Branding suche ich Fotos. Welche und wozu versuche ich im folgenden kurz zu skizzieren. Doch zunächst ein paar Worte zu De-Branding, Branding und dem Buch.

De-Branding

“Images” sind kollektive Vorstellungen zu Produkten, Unternehmen, Ländern, Persönlichkeiten und allem Möglichen. Branding ist der Versuch diese Vorstellungen strategisch zu erzeugen und zu verändern. Allerlei Mittel dienen diesem Zweck – offensichtliche, wie Werbung und Sponsoring, sowie verborgene, wie “Product Placement” und “Advertorials”. Alles wird ‘gebrandet’: die Persönlichkeit, das Produkt, das Unternehmen und die Nation. Strategisches “Image Management” ist ein Paradigma. Omnipräsent und selbstverständlich.

De-Branding möchte dies bewusst machen – in Kritik und kreativer Praxis.

Das Buch

Mit dem Buch versuche ich das Thema De-Branding anschaulich und weitgreifend zu umreissen. Die Rolle von “Branding heute” wird analysiert. Kritische, subversive und kreative Auseinandersetzungen werden dargestellt. Aus Kritik werden Handlungsmöglichkeiten. Möglichkeiten des De-Branding werden anhand unterschiedlichster Arbeiten vorgestellt (von kleinen persönlichen Experimenten bis zu groß angelegten und öffentlichkeitswirksamen Aktionen).

Das Zusammenwirken von Text, Typografie, Diagrammen und Fotografie soll die vielschichtigen Aspekte deutlich machen und Einstiegspunkte in das komplexe Thema bieten.

Fotografische Beobachtungen: Lebenswelten von Marken

Branding durchdringt alle Bereiche des Lebens. Menschen interagieren mit Marken. Menschen kommunizieren Mittels der Verwendung von Marken (bewusst und vor allem unbewusst). Die Phänomenologie dieses Spiels ist vielfältig. Es findet überall statt: im Badezimmer, in den Medien, in sozialen Netzwerken jeder Art, in der Schule, im Nachtleben, in Subkulturen, in öffentlichen Verkehrsmitteln, im Sport, in der Kunst und überall, wo moderne Menschen interagieren.

Branding ist derart omnipräsent, daß es als selbstverständlicher Teil der Welt und des Lebens wahrgenommen wird. Es ist normal. Real. Fotografie kann dies bewusst machen. Abgelichtet werden Marken-Phänomene im Alltag. Sie werden neu erkennbar.

Jeder Fotograf sucht sich seinen Blickwinkel und seinen Bereich der Beobachtung. Parameter: wenig Inszenierung, viel Authentizität. Die Wahl des Blickes, der Zeit und des Kontextes sind die Inszenierung. Die Bilder sollen einen klaren lebensweltlichen Bezug haben – Marken im echten Leben. Gerade durch diese Erdung im Alltag werden Zusammenhänge zwischen Identitäten von Marken und Menschen deutlich, werden Übereinstimmungen und Widersprüche sichtbar.

Die fotografischen Beiträge

Eigenständige fotografische Arbeiten sollen ein Gegengewicht zu den teilweise abstrakt wirkenden Diskursen sein. Sie bilden den Rückbezug zur Wirklichkeit, wie wir sie kennen und gleichzeitig bieten sie für die Leser/Betrachter eine Gelegenheit diese zu reflektieren.

Wie viele Bilder jeder Fotograf beiträgt ist nicht definiert. Ein gutes Bild ist ebenso willkommen, wie eine umfangreiche Fotostrecke.

Interesse und Fragen

kris@de-brand.net

Digitales Soma

Frog's Brave New Mask

Technology can be used to combat this dangerous new environment [natural disasters etc.] – but also to escape from it. We already use mobile devices to provide on-demand escapism, channeling movies, music, and other distractions.

In diesem Sinne präsentiert die Design-Firma frog das Konzept “A Digital Escape” – die high-tec-Version der sprichwörtlichen rosa Brille – macht sogar postapokalyptische Zustände ganz wunderbar (zumindest optisch und olfaktorisch) – wobei heute eigentlich von einer grünen Brille gesprochen werden müsste.

Die ernsthafte Art mit der die ernsthafte Design-Firma frog das Konzept präsentiert macht es spannend und mehrdeutig. frog ist bekannt dafür Design in großen Zusammenhängen zu denken. Sie sind allerdings bisher nicht dadurch aufgefallen besonders gesellschaftskritisch zu sein. Digital Escape verstehe ich dennoch als bitter-witzige Kritik – eine Übertreibung und ein krasses Zukunftsszenario, das die Augen öffnen soll für die Gegenwart. Zukunftsszenario als “soweit kann’s kommen”-Warnung und Übertreibung dessen was ohnehin stattfindet: Flucht in künstliche Welten. Welten die strategisch konstruiert werden, um von den dahinter liegenden Problemen abzulenken.

Dabei scheint frog im Großen und Ganzen durchaus an eine schöne neue Welt zu glauben, wie sich an ihrem Magazin Design Mind sehen lässt. Aber Widersprüche seien erlaubt! Wir leben alle mitten drin.

null

Was man mit Brillen so alles machen kann … darauf aufmerksam machen, daß die Welt schöngefärbt wird und dies immer toller wird … oder, daß man die unbewussten Botschaften einer schöngefärbten Welt entschlüsseln kann.

Was ziehst du an?Aus “Branding von Hochschulen” von Carsten Müller:

Was vor wenigen Jahren bei Naomi Klein in ihrem zum modernen Klassiker der globalisierungskritischen Bewegung gewordenen Buch „No Logo!“ noch wie Ge-schichten aus dem fernen Amerika klang, wird zunehmend Realität – auch an Hochschulen in Deutschland: „Das Branding des Lernens“.

Werbeslogan des „Campus Contest 2008“ ausgerichtet vom Modelabel s.Oliver: „Macht Eure Hochschule zur Arena of Sound“. Der Text wirbt mit den Aussagen: „Planen statt pauken, konzipieren statt repetieren, selber machen statt zuhören“.

Revolutionen: Die Selbstbemächtigung der 68er wird verdreht zur Aufforderung an einer Kampagne aktiv teilzunehmen – selbst eine Rolle zu spielen. Das klingt nach Befreiung, Selbstbestimmtheit und Eigeninitiative – alles alte 68er-Werte. Nur das heute die Rollen und die Eigeninitiative von Marketing-Kreativen vordefiniert werden. Die Freiheit besteht nun darin mitzuspielen oder eben nicht. Zwang gibt es keinen. Nur Täuschung. Diese Instant-Versionen von Freiheit & Co sind reine Suggestion und haben mit echter Selbstbestimmung nichts zu tun. Sie machen das Leben aber einfacher – bieten Orientierung und geben Anleitung – so geht das – selbst nachdenken und kreieren scheint auch viel zu schwierig in Anbetracht solch wunderbar vorverdauter Image- und Erlebnisangebote. Und wieso auch nicht? Party macht doch Spaß! Egal wer die Zeche zahlt.

Deichclash

Carsten Müller analysiert die markentechnische Eroberung des wilden Studentenlebens anhand seiner Erfahrungen mit der Kampagne „Campus Contest 2008“ vom Modelabel QS der Firma S.Oliver (Bernd Freier GmbH & Co. KG) . Sehr lesenswert >> zum Artikel auf den nachdenkseiten.

de-branding 68

Gestern sprach ich (geboren 1968) auf dem Symposium 1968 heute. Die anderen Vortragenden waren intellektuelle Alt-68er [1], die sich damals theoretisch kritisch mit “den Verhältnissen” auseinandersetzten und auch praktisch versuchten dies mehr oder weniger radikal zu leben. Heute haben sie sich im Kultur- und Bildungsbetrieb etabliert.

Die Ganze Veranstaltung und Diskussion war für mich zunächst ein unheimlich desillusionierendes und frustrierendes Erlebnis.

Da das Thema 1968 heute lautete, hatte ich erwartet, daß auch über das Heute gesprochen werden würde. Anstatt dessen wurden Situation(en) und Gemütslagen von damals geschildert und immer wieder darauf hingewiesen, dass man diese differenziert betrachten müsse. Different waren dann die persönlichen Erlebnisse und Anekdoten tatsächlich, die den Großteil der zur Verfügung stehenden Zeit einnahmen. Die Geschichten waren allesamt interessant – so interessant wie Opas Geschichten vom Krieg. Doch diese höre ich mir lieber bei ‘nem Glas Wein an und nicht auf einem vermeintlich spannenden Symposium.

Wieso könnte ein Symposium zu 68 heute überhaupt spannend sein?

Weil

a) das, was unter dem Label 68 subsumiert wird, zu kulturellen, gesellschaftlichen und ökonomischen Veränderungen geführt hat, die unsere Welt von heute prägen (wenn auch gänzlich anders, als die 68er sich das erhofft hatten)

b) seit 68 Kritik und Protest kaum mehr derart erfrischend formuliert und gelebt wurden, und die Verhältnisse in 2008 mindestens eben so viel davon vertragen könnten – nur eben anders. Denn einerseits sind die Verhältnisse heute Andere und anderseits haben mitunter die Utopien und das Engagement der 68er in das heutige Schlamassel geführt. Es geht nicht darum, ob und wie die 68er trotz bester Absichten am Heute Schuld sind, sondern was wir heute machen können, um aus dem Schlamassel rauszukommen.

c) es viel versprechend sein könnte die Kritik- und Utopie-Kompetenz von damals in das Heute zu transformieren – mit der Welt von heute zu konfrontieren – und daraus aktuelle Perspektiven der Kritik sowie Praktiken des Widerstandes und des Lebens zu entwickeln. Selbstverständlich nicht als eine Neuauflage von 68, sondern mit einem kritischen Blick auf das, was damals versucht, erreicht und eben auch nicht erreicht wurde.

Wahrscheinlich war es vollkommen naiv von mir irgendetwas dieser Art zu erwarten.

Dennoch hatte ich von Diskussionen vor Ort (auf dem Symposium und danach im Restaurant) mehr erwartet, als das, was mir die omnipräsenten 68er auf allen Kanälen vermitteln – nämlich wenig für heute Relevantes. An Stelle dessen: viele Anekdoten, mehr oder weniger intelligente Analysen von damals und davor (historisch) sowie wunderbar exotisch-unterhaltsame Dokumente einer vergangenen Zeit.

Wir müssen das jetzt wohl alleine machen [2].

Rat und Tat sind von den 68ern nicht zu erwarten – ausser frustriertes Gemoser über die jungen Leute, die nicht mehr zur Kritik fähig sind und überhaupt (darauf verzichte ich gern).

Da ist mir ja selbst die schamlose Instrumentalisierung von 68er-Images und -Styles lieber: Wildes Leben, Flower Power, Selbstverwirklichung, Freie Liebe, Protest und Revolution als sinnentleerte aber immer faszinierende Attitüden, die zur Image-Kontruktion von Brands verwendet werden. Diese Sachen machen irgendwie Spaß und gleichzeitig klar: diese Attitüden kann man für ernsthafte Anliegen (echten Protest, echte Kritik, echte Veränderung oder gar Revolution) nicht mehr verwenden. Lasst uns Spaß haben an dem Käse und ihn darüber hinaus nicht ernst nehmen. De-Branding möchte diese Haltung vermitteln – auf eine spaßige oder besser gesagt anschlussfähige Art und Weise. De-Branding möchte eine Brand-Mündigkeit. Deren (utopisches) Ziel ist die persönliche Identität frei von den strategischen Image-Anboten konstruieren zu können. Es geht aber nicht nur um den skeptischen Blick auf jedwede strategische Image-Konstruktion (=Branding). Es geht auch um den Blick dahinter. Um die wirtschaftlichen, sozialen und ökologischen Zusammenhänge, in denen unser Konsumleben und das Treiben von Unternehmen und Politik stattfindet. Es geht darum dahinter die Mechanismen von Ausbeutung zu erkennen und Möglichkeiten zu finden dagegen zu handeln.

Da diese Begegnung der dritten Art vorerst zu der gerade skizzierten Auseinandersetzung geführt hat, war sie doch nicht vergeblich, sondern eigentlich recht inspirierend. Ich hoffe dies geht auch den anderen Beteiligten so (denen, die dabei waren und allen Anderen) und würde mich freuen weiter zu streiten ;-) Nutzt die Kommentar-Funktion !-)

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Und da Bildchen immer gut kommen, hier noch ein bisschen Material aus meinem Vortrag (der ganz in 68er-Manier recht collage-artig war, was zugegebenermaßen an der zu knappen Vorbereitungszeit lag).

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UschiChanel

Vorder- und Rückseite des SZ-Magazins zum Thema 1968 (Heft #08 22.02.2008)

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DieselAction!

“Diesel Action!” Kampagne von Diesel, 2003

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Che Fussmatte gefunden und besprochen von Johann Grenzfurthner

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www.revolution.com

www.revolution.com

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[1] mit Ausnahme von Dr. Klaus Klemp, der 1968 erst 14 war. Er hat ohne viele Anekdoten und ohne Pathos phantastische Plakate aus der Zeit gezeigt und besprochen.

[2] Prof. Dr. Klaus Kreimeier hat dies als Resümee offen zugegeben. Ebenso sind Dr. Cora Stephan und auch Prof. Dr. Karin Wilhelm einigermaßen unverklärt mit ihrer 68er-Vergangenheit umgegangen. Beide haben ihr 68 kritisch reflektiert, können daraus aber keine Perspektiven für 2008 entwickeln und gestehen dies auch offen ein (wenigstens ehrlich).

Die Images von 1968

oder

Achtundsechzig als Marke

als Vortrag auf dem Symposium 68 heute an der FH-Würzburg.

“Das wilde Leben”, “Revolution” und “Freiheit” und die dazu gehörigen Bilder sind Images und Attitüden geworden, die für so ziemlich für alles verwendet werden, nur nicht im Sinne ihre eigentlichen Sinnes.

De-Branding spricht

auf dem Basics-Festival in Salzburg. Thema des Jahres: Guerilla. Zum Vortrag:

de-branding kreislauf

De-Branding – Kreislauf der Wandlungen von Images

Brandzeichen lassen sich nicht ausradieren. Man kann sie aber überlagern, sie verfremden oder ihnen andere Zeichen entgegen setzen. Man kann sich ihres Codes für eigene Zwecke bemächtigen. Man kann sie überhaupt erst als Brandzeichen entlarven und ihr Verhältnis zwischen KreatUR (dem Rindvieh), KreatEUR (dem Designer) und kreatOYER* (Ben Cartwright) erkennbar machen. De-Branding will diesen Kreislauf stören und damit bei allen Beteiligten neue kreative Prozesse hin zu einer neuen “Brand-Mündigkeit” (oder Brand-Müdigkeit?) anstoßen…

Zuvor spricht Marcus S. Kleiner über “Kommunikationsguerilla. Semiotischer Widerstand und kommunikative Militanz

Ausweitung der Markenzone

infringement series: microsoft

Aus den Infringement Series von Perry Hobermann.

Mehr zum Thema Inbesitznahme der Sprache mit den Mitteln des Markenrechts im Artikel Ich© liebe Dich® von Jörg Auf dem Hövel auf telepolis.de

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