{"id":320,"date":"2008-04-17T12:57:26","date_gmt":"2008-04-17T10:57:26","guid":{"rendered":"http:\/\/www.de-brand.net\/blog\/de-branding-68\/"},"modified":"2008-04-17T12:57:26","modified_gmt":"2008-04-17T10:57:26","slug":"de-branding-68","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.de-brand.net\/blog\/2008\/04\/17\/de-branding-68\/","title":{"rendered":"de-branding 68"},"content":{"rendered":"<p>Gestern <a href=\"http:\/\/www.de-brand.net\/blog\/die-images-von-1968\/\">sprach ich<\/a> (geboren 1968) auf dem <a href=\"http:\/\/www.fh-wuerzburg.de\/gestaltung\/symposion\/\">Symposium <em>1968 heute<\/em><\/a>. Die <a href=\"http:\/\/www.fh-wuerzburg.de\/gestaltung\/symposion\/referenten.html\">anderen Vortragenden<\/a> waren intellektuelle Alt-68er [1], die sich damals <em>theoretisch<\/em> kritisch mit &#8220;den Verh\u00e4ltnissen&#8221; auseinandersetzten und auch <em>praktisch<\/em> versuchten dies mehr oder weniger radikal zu leben. Heute haben sie sich im Kultur- und Bildungsbetrieb etabliert.<\/p>\n<p><strong>Die Ganze Veranstaltung und Diskussion war f\u00fcr mich zun\u00e4chst ein unheimlich desillusionierendes und frustrierendes Erlebnis.<\/strong><\/p>\n<p>Da das Thema <em>1968 <strong>heute<\/strong><\/em> lautete, hatte ich erwartet, da\u00df auch \u00fcber das Heute gesprochen werden w\u00fcrde. Anstatt dessen wurden Situation(en) und Gem\u00fctslagen von damals geschildert und immer wieder darauf hingewiesen, dass man diese differenziert betrachten m\u00fcsse. Different waren dann die pers\u00f6nlichen Erlebnisse und Anekdoten tats\u00e4chlich, die den Gro\u00dfteil der zur Verf\u00fcgung stehenden Zeit einnahmen. Die Geschichten waren allesamt interessant \u2013 so interessant wie Opas Geschichten vom Krieg. Doch diese h\u00f6re ich mir lieber bei &#8216;nem Glas Wein an und nicht auf einem <em>vermeintlich spannenden<\/em> Symposium.<\/p>\n<p><strong><\/p>\n<p>Wieso k\u00f6nnte ein Symposium zu <em>68 heute<\/em> \u00fcberhaupt spannend sein?<\/strong><\/p>\n<p><em>Weil<\/em><\/p>\n<p>a)  das, was unter dem <em>Label 68<\/em> subsumiert wird, zu kulturellen, gesellschaftlichen und \u00f6konomischen Ver\u00e4nderungen gef\u00fchrt hat, die unsere Welt von heute pr\u00e4gen (wenn auch g\u00e4nzlich anders, als die 68er sich das erhofft hatten)<\/p>\n<p>b) seit 68 Kritik und Protest kaum mehr derart erfrischend formuliert und gelebt wurden, und die Verh\u00e4ltnisse in 2008 mindestens eben so viel davon vertragen k\u00f6nnten \u2013 nur eben anders. Denn einerseits sind die Verh\u00e4ltnisse heute Andere und anderseits haben mitunter die Utopien und das Engagement der 68er in das heutige Schlamassel gef\u00fchrt. Es geht nicht darum, ob und wie die 68er trotz bester Absichten am Heute Schuld sind, sondern was wir heute machen k\u00f6nnen, um aus dem Schlamassel rauszukommen.<\/p>\n<p>c) es viel versprechend sein k\u00f6nnte die Kritik- und Utopie-Kompetenz von damals in das Heute zu transformieren \u2013 mit der Welt von heute zu konfrontieren \u2013 und daraus aktuelle Perspektiven der Kritik sowie Praktiken des Widerstandes und des Lebens zu entwickeln. Selbstverst\u00e4ndlich nicht als eine Neuauflage von 68, sondern mit einem kritischen Blick auf das, was damals versucht, erreicht und eben auch <em>nicht<\/em> erreicht wurde.<\/p>\n<p><strong><\/p>\n<p>Wahrscheinlich war es vollkommen naiv von mir irgendetwas dieser Art zu erwarten. <\/strong><\/p>\n<p>Dennoch hatte ich von Diskussionen vor Ort (auf dem Symposium und danach im Restaurant) mehr erwartet, als das, was mir die omnipr\u00e4senten 68er auf allen Kan\u00e4len vermitteln \u2013 n\u00e4mlich wenig f\u00fcr heute Relevantes. An Stelle dessen: viele Anekdoten, mehr oder weniger intelligente Analysen von damals und davor (historisch) sowie wunderbar exotisch-unterhaltsame Dokumente einer vergangenen Zeit.<\/p>\n<p><strong>Wir m\u00fcssen das jetzt wohl alleine machen<\/strong> [2].<\/p>\n<p>Rat und Tat sind von den 68ern nicht zu erwarten \u2013 ausser frustriertes Gemoser \u00fcber die jungen Leute, die nicht mehr zur Kritik f\u00e4hig sind und \u00fcberhaupt  (darauf  verzichte ich gern).<\/p>\n<p>Da ist mir ja selbst die schamlose Instrumentalisierung von 68er-Images und -Styles lieber: <em><a href=\"http:\/\/www.youtube.com\/watch?v=VTHbvFG8LXw\">Wildes Leben<\/a><\/em>, <em><a href=\"http:\/\/www.your-me.com\/debranding\/blog\/wp-content\/uploads\/2008\/04\/sz1968_flowerpowerfashion.jpg\" rel=\"lightbox[pics320]\" title=\"SZ1968_FlowerPowerFashion\">Flower Power<\/a><\/em>, <em><a href=\"http:\/\/www.amazon.co.uk\/dp\/0753510995?tag=virginbooks-21&#038;camp=1406&#038;creative=6394&#038;linkCode=as1&#038;creativeASIN=0753510995&#038;adid=086TWWSQ3MX5114ZNSQC&#038;\">Selbstverwirklichung<\/a><\/em>, <em><a href=\"http:\/\/www.dieselaction.com\/\">Freie Liebe<\/a><\/em>, <a href=\"http:\/\/www.your-me.com\/debranding\/blog\/wp-content\/uploads\/2008\/04\/diesel_act.jpg\" rel=\"lightbox[pics320]\" title=\"DieselAction!\"><em>Protest<\/em><\/a> und <em><a href=\"http:\/\/www.dacia.de\/revolution\/\">Revolution<\/a><\/em> als sinnentleerte aber immer faszinierende Attit\u00fcden, die zur Image-Kontruktion von Brands verwendet werden. Diese Sachen machen irgendwie Spa\u00df und gleichzeitig klar: diese Attit\u00fcden kann man f\u00fcr ernsthafte Anliegen (echten Protest, echte Kritik, echte Ver\u00e4nderung oder gar Revolution) nicht mehr verwenden. Lasst uns Spa\u00df haben an dem K\u00e4se und ihn dar\u00fcber hinaus nicht ernst nehmen. De-Branding m\u00f6chte diese Haltung vermitteln \u2013 auf eine spa\u00dfige oder besser gesagt <em>anschlussf\u00e4hige<\/em> Art und Weise. De-Branding m\u00f6chte eine Brand-M\u00fcndigkeit. Deren (utopisches) Ziel ist die pers\u00f6nliche Identit\u00e4t frei von den strategischen Image-Anboten konstruieren zu k\u00f6nnen. Es geht aber nicht nur um den skeptischen Blick auf jedwede strategische Image-Konstruktion (=Branding). Es geht auch um den Blick dahinter. Um die wirtschaftlichen, sozialen und \u00f6kologischen Zusammenh\u00e4nge, in denen unser Konsumleben und das Treiben von Unternehmen und Politik stattfindet. Es geht darum dahinter die Mechanismen von Ausbeutung zu erkennen und M\u00f6glichkeiten zu finden dagegen zu handeln.<\/p>\n<p>Da diese Begegnung der dritten Art vorerst zu der gerade skizzierten Auseinandersetzung gef\u00fchrt hat, war sie doch nicht vergeblich, sondern <em>eigentlich<\/em> recht inspirierend. Ich hoffe dies geht auch den anderen Beteiligten so (denen, die dabei waren und allen Anderen) und w\u00fcrde mich freuen weiter zu streiten ;-) Nutzt die Kommentar-Funktion !-)<\/p>\n<p>\u00b0<\/p>\n<p>Und da Bildchen immer gut kommen, hier noch ein bisschen Material aus meinem Vortrag (der ganz in 68er-Manier recht collage-artig war, was zugegebenerma\u00dfen an der zu knappen Vorbereitungszeit lag).<\/p>\n<p>\u00b0<\/p>\n<p><object width=\"425\" height=\"355\"><param name=\"movie\" value=\"http:\/\/www.youtube.com\/v\/VTHbvFG8LXw&#038;hl=en\"><\/param><param name=\"wmode\" value=\"transparent\"><\/param><embed src=\"http:\/\/www.youtube.com\/v\/VTHbvFG8LXw&#038;hl=en\" type=\"application\/x-shockwave-flash\" wmode=\"transparent\" width=\"425\" height=\"355\"><\/embed><\/object><\/p>\n<p>\u00b0<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"http:\/\/www.your-me.com\/debranding\/blog\/wp-content\/uploads\/2008\/04\/szuschichanel.jpg\" width=\"535\" height=\"346\" alt=\"UschiChanel\" class=\"imageframe imgalignleft\" \/><\/p>\n<p>Vorder- und R\u00fcckseite des SZ-Magazins zum Thema 1968 (<a href=\"http:\/\/sz-magazin.sueddeutsche.de\/index.php?id=109&#038;user_szmagdata_pi1[showUid]=382\">Heft #08 22.02.2008<\/a>)<\/p>\n<p>\u00b0<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"http:\/\/www.your-me.com\/debranding\/blog\/wp-content\/uploads\/2008\/04\/diesel_act.jpg\" width=\"233\" height=\"320\" alt=\"DieselAction!\" class=\"imageframe\" \/><\/p>\n<p>&#8220;Diesel Action!&#8221; Kampagne von Diesel, 2003<\/p>\n<p>\u00b0<\/p>\n<p><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/www.monochrom.at\/doormat\/view.jpg\"><\/p>\n<p>Che Fussmatte gefunden und besprochen von <a href=\"http:\/\/www.monochrom.at\/doormat\/\">Johann Grenzfurthner<\/a><\/p>\n<p>\u00b0<\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/www.revolution.com\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"http:\/\/www.your-me.com\/debranding\/blog\/wp-content\/uploads\/2008\/04\/revolutionmoney.png\" width=\"521\" height=\"397\" alt=\"www.revolution.com\" class=\"imageframe imgalignleft\" \/><\/p>\n<p>www.revolution.com<\/a><\/p>\n<p>\u00b0<\/p>\n<p><object width=\"425\" height=\"355\"><param name=\"movie\" value=\"http:\/\/www.youtube.com\/v\/oOb1M14NYUU&#038;hl=en\"><\/param><param name=\"wmode\" value=\"transparent\"><\/param><embed src=\"http:\/\/www.youtube.com\/v\/oOb1M14NYUU&#038;hl=en\" type=\"application\/x-shockwave-flash\" wmode=\"transparent\" width=\"425\" height=\"355\"><\/embed><\/object><\/p>\n<p>\u00b0<\/p>\n<p>[1] mit Ausnahme von Dr. Klaus Klemp, der 1968 erst 14 war. Er hat ohne viele Anekdoten und ohne Pathos phantastische Plakate aus der Zeit gezeigt und besprochen.<\/p>\n<p>[2] <a href=\"http:\/\/www.fh-wuerzburg.de\/gestaltung\/symposion\/kreimeier.html\">Prof. Dr. Klaus Kreimeier<\/a> hat dies als Res\u00fcmee offen zugegeben. Ebenso sind <a href=\"http:\/\/www.fh-wuerzburg.de\/gestaltung\/symposion\/stephan.html\">Dr. Cora Stephan<\/a> und auch <a href=\"http:\/\/www.fh-wuerzburg.de\/gestaltung\/symposion\/wilhelm.html\">Prof. Dr. Karin Wilhelm<\/a> einigerma\u00dfen unverkl\u00e4rt mit ihrer 68er-Vergangenheit umgegangen. Beide haben ihr 68 kritisch reflektiert, k\u00f6nnen daraus aber keine Perspektiven f\u00fcr 2008 entwickeln und gestehen dies auch offen ein (wenigstens ehrlich).<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Gestern sprach ich (geboren 1968) auf dem Symposium 1968 heute. 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